Museum - Heimatmuseum-Kostheim.de

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               Ein kleiner Rundgang im Heimatmuseum.
In der Alten Ortsverwaltung ist das heutige Heimatmuseum untergebracht. Das Gebäude wurde im Jahre 1837 von der Familie Hofmann erbaut und von der Gemeinnützigen Wiesbadener Wohnbaugesellschaft in 2010 restauriert. Im Jahre 1974 wurde der Heimatverein gegründet. Von Heimatverbundenen, u.a. Hans Redlich, wurde ein Heimatmuseum 1976 im Keller des Bürgerhauses Kostheim und am 30.April 1995 in der "Alten Ortsverwaltung eröffnet.
Um in das Heimatmuseum zu gelangen, muss man durch die Tür des Brückenhäuschens der Kostheimer Brücke, eintreten. Als erstes stechen einem die  Gemarkungs- und Grenzsteine ins Auge. Dann lässt man seinen Blick über die Gemeindekarte von 1741 schweifen und staunt über die frühere Größe von Kostheim. Nach einem ersten Eindruck über die ganzen geschichtlichen Stücke im Vorraum sieht man anschließend auf das Ausstellungsfenster. Dort werden mit wechselnden Themen Kunstgegenstände ausgestellt.
Nach links biegt man in das Römerzimmer ab. Es fallen einem sofort die Vitrinen mit ihren vielen Scherben, Tonkrügen, Tränenröhrchen und Urnengräber auf. Die Heimatforscher Julius Beuschel, Horst Petermann und Jakob Zeisler haben in Kostheim mit ihren Ausgrabungen aus der Römerzeit überwiegend die Basis für das Römerzimmer gelegt. In mühevoller Kleinarbeit hat unser Vorstandsmitglied Thomas Frey dann die Kulturgegenstände erläutert und beschriftet. Neben dem Eingang zum Fahnenzimmer hängt ein alter Befestigungspfeiler von der Römerbrücke an der Wand. Dieser Pfeiler wurde nur ein paar Meter neben der Kostheimer Brücke (Kostheim - Gustavsburg, gebaut 1887) gefunden.
Im Fahnenzimmer ist man über die Motivvielfalt der Vereinsfahnen überrascht. Die Älteste ist vom Turnverein und die Originellste von dem ehemaligen bayrischen Verein aus Kostheim. Die Fahnen für die Wallfahrt von Kostheim nach Fischbach werden auch in Ehren gehalten. Seit die Kostheimer von der Pest im 15. Jahrhundert verschont wurden, wird zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit diese Wallfahrt jedes Jahr durchgeführt. Barbarossa und seine Söhne sind in Stuck an der hinteren Wand dargestellt. Die Abbildung erinnert an das Reichsfest auf der Maaraue/Mainz an Pfingsten 1184 als die Söhne den Ritterschlag erhielten. Die französische Belagerung von Napoleon hat natürlich auch seine Spuren hinterlassen. In einer Vitrine wurden davon die Siegerwaffen, Bajonette, Kugeln etc. ausgelegt. Außerdem sind hier in diesem Zimmer die Dokumente und Siegel der ersten schriftlichen Erwähnung von Copsistano - Kostheim, durch Karl den Großen am 31.August 790, aufbewahrt.
Der Schwerpunkt des nächsten Zimmers ist die St. Kilians-Kirche und einheimische Künstler. Auf der linken Seite ist ein Holzbalken freigelegt, der noch von der Wirtschaft "Zur Mainlust" stammt. Orgelpfeifen, Bilder aus dem Altarraum und verschiedene Messingkreuze werden vorgestellt. Aufgrund von Kriegswirren war Kostheim 1808 total zerstört und Pfarrer Rößler hat bei Napoleon um eine Steuerbefreiung für die armen Kostheimer gebeten und daraufhin 15 Jahre Steuerbefreiung erhalten. Seitdem wird nochmals ein Nachfolger gesucht. Unter anderem werden kirchliche Dokumente von Pfarrer Henrich gezeigt, der trotz Verbot 1821 für diese Gunst ein Seelenamt auf den verstorbenen Kaiser Napoleon gelesen hat. In einzelnen Vitrinen werden die Bildhauer Jakob Schmitt und Schmahl vorgestellt. Die Jupiter-Säule in Mainz ist vom Bildhauer Schmahl. Eduard Schmahl wohnte Ecke Hauptstr. / Taunusstr. Dort hat er auf dem Dachgiebel seines Hauses den Kampf von 3 Drachen und dem Ritter Schorsch gemalt. Frau Schmahl und die Nachbarin Oswald vertrugen sich aber nicht. Deshalb schrieb er unter dieses Bild folgenden Text:"Einst stieß der Ritter Schorsch die Lanze dem Drachen in den Rachen, so müsste man es heute mit den bösen Weibern machen". Die ausgestellten medizinischen Instrumente lassen uns erkennen wie gut unsere heutige medizinische Betreuung schon fortgeschritten ist.  
Jetzt darf man im Flößerzimmer auf einem Floß herumbalancieren und erhält einen Einblick in das Flößerleben auf dem Wasser. Sie waren wochenlang von dem Fichtelgebirge auf dem Main unterwegs. Deswegen hatten sie auch eine Flößerkiste mit ihrer Ausrüstung immer dabei. Einen Feldofen, Säge, Messer, spezielle Werkzeuge und eine Ölfunsel für die Dunkelheit. Am Abend kam auch das Bierfässchen zum tragen. Es entwickelten sich in Kostheim durch die Flößerei sieben Sägewerke. 1961 wurde dann die Flößerei auf dem Main und Rhein eingestellt.
Es folgt das Zimmer der früheren Jahrgänge, das Anlaufzimmer der älteren Semester. Aber heimatverbunden muss nicht automatisch alt bedeuten. Auch für junge Leute ist die Vereinsgeschichte von Kostheim interessant und informativ. Um das Heimatmuseum aber zu erhalten wird ein tatkräftiger Nachwuchs benötigt. Wir hoffen, dass die Kostheimer Generationen das genauso sehen. Ein Blick auf die Fensterfront zeigt uns die Fahne von Kostheim vor der Eingemeindung nach Mainz. Die Vitrinen beinhalten die Technik von früher. Einen Fotoapparat, Projektor, Bilder, Dokumente etc. und das gute Kaffeeservice der Oma . Die Feuerwehr und Schulen wurden auch nicht vergessen.
Jetzt kommt die Kostheimer Küche, das Zimmer der Frauen und Kinder. Es wird gestaunt mit welchen seltsamen Gegenständen die Oma sich herumgeplagt hat. Wer kennt z.B. ein Herd mit einem Schiffchen. Damit das Feuer in diesem Herd nicht ausging, wurde für nachts ein Brikett in die Zeitung eingewickelt und angefeuchtet. Tausenderlei Gegenstände, wie das Butterfass oder der Fleischwolf, lassen sich auch nur schwer dem Gebrauch zuordnen. In der Küche gibt es viele Erfahrungen zu berichten. Samstag war Waschtag, das heißt: Jeder ab in die Waschbütt mit dem gleichen Wasser. Um Gas zu erhalten, musste man erst Gasmarken einkaufen und diese dann in den Zähler stecken. Mit den Erzählungen über das Leben der früheren Kostheimer Familien findet man gar kein Ende. Denn das Familienleben spielte sich früher hauptsächlich in der Küche ab.
Nach der Küche befinden wir uns wieder im Vorraum und biegen neben dem "Armen Kind von Kostheim" nach rechts ins Winzerzimmer ab. Hier erfährt man einiges über den Weinbau, die Pflege und die Winzerfamilien von Kostheim. An den Wänden und auf dem Bord sieht man die Handwerkszeuge zur Herstellung eines guten Tröpfchens. In einer Vitrine ist das Testament der Freifrau von Berberich aus dem Jahre 1756 ausgestellt. Viel Spass beim Lesen. Bei Sonderausstellungen und Vernissagen wird der Raum auch für die Bewirtung der Museumsbesucher benutzt.
Jetzt kommt eine alte Schuhmacherwerkstatt. Der Beruf des Schuhmachers ist vom Aussterben bedroht. Deshalb wurde ihm bereits ein Zimmer im Museum gewidmet. Wir könnten unseren Besuchern während des Museumsbesuchs natürlich ihre Schuhe besohlen, aber es heißt nicht umsonst - Schuster bleib bei deinen Leisten - . Wie magisch ziehen die Schusterwerkzeuge die Aufmerksamkeit  der Besucher mit ihren seltsamen Formen und glänzendem Aussehen auf sich. Natürlich ist auch eine Nähmaschine sowie Zangen, Ahlen, Pfrieme, Lederflicken und Leisten im Zimmer wiederzufinden. All diese Werkzeuge werden benötigt um einen Schuh wieder gebrauchsfertig zu bekommen. Einen guten Schuh herzustellen ist genauso eine Kunst, als wenn der Künstler seine Skulpturen erschafft.
Zum Abschluß haben wir eine Dauerausstellung der Skulpturen des blinden Bildhauers Jakob Schmitt und der Plastiken des Pallottinerpaters Franz-Josef Ludwig. Das Museum hatte einen persönlichen Kontakt zum Pater Ludwig. Dieser kam zu stande durch unseren früheren 1. Vorsitzenden Norbert Trutzel und wurde durch Frau Gebhardt bis zu seinem Tode am 22.März 2018 weiter gepflegt. Man sollte sich wirklich Zeit für dieses Zimmer nehmen. Es ist einfach fantastisch wie der blinde Künstler Jakob Schmitt die menschlichen Details bei den Figuren so herausarbeiten konnte.
Für den Ernstfall haben wir auch ein stilles Örtchen.
Jetzt haben sie viele Ausstellungsstücke gesehen. Mit dem einen oder anderen haben sie sich näher beschäftigt. Aber bei dieser Vielfalt kann man sich nicht alles ansehen. Mit dem Bericht und ihrem ersten Besuch hoffen wir, dass bei ihnen das Interesse geweckt wurde und auf ein baldiges Wiedersehen. Zum Schluß dürfen sie sich noch in das Gästebuch einschreiben und wenn sie ihr Heimatmuseum unterstützen möchten steht ihnen natürlich auch eine Spendendose zur Verfügung.

Wir freuen uns auf ihren nächsten Besuch! :)


Quellen: Peter Harms und Hans Redlich









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